Es weihnachtet in Edinburgh. Nicht so sehr wie in Deutschland, aber es weihnachtet. Die Läden sind schon seit Wochen voll mit Weihnachtskarten, Glitzergirlanden und Plastikbäumen. Was es da an nutzlosem Kram gibt ist schier unglaublich… dafür hält sich die Dekoration und Beschallung mit Weihnachtsliedern eher in Grenzen. Ich finde das ja schade. Ich finde ja durchaus den ganzen Dezember lang sollte nichts anderes als Weihnachtslieder laufen, damit man sie danach wirklich für 11 Monate nicht mehr hören kann. Aber hier läuft in den Läden weiter die normale Musik, wie soll man denn da in Weihnachtsstimmung kommen? Was die Dekoration angeht: Ich habe bisher immerhin noch keinen einzigen Plastikweihnachtsmann an irgendeiner Fassade hochklettern sehen. Das ist ein Pluspunkt. Manche Häuser sind sehr schön und üppig geschmückt, die große Mehrheit dafür garnicht. Vor allem an Privathäusern konnte ich bisher noch garnichts entdecken. Gestern sind mir dann dafür ein paar Linienbusse entgegengekommen, die von Santa Claus gesteuert wurden. Die Beleuchtung an den Bäumen und Straßen finde ich auch nicht so schön. Die Bäume sind an den Stämmen entlang geschmückt, so dass sie von weitem auf mich wie Skelette wirken. Ich finde Lichter wie zufällig in den Zweigen irgendwie ansprechender.
Der Weihnachtsmarkt hier lässt sich in drei Teile einteilen. Teil eins sind die Fahrgeschäfte. Finde ich persönlich ja ziemlich daneben. Vor allem, da das Riesenrad und das Kettenkarussell um das Scott Monument herum platziert wurden. Das bewirkt zum einen, dass das Riesenrad recht mickrig aussieht, zum anderen, dass man den Angst hat sich im Kettenkarussell die Füße am Monument zu stoßen und zum dritten passt es eben einfach nicht. Hmpf. Es steht dort außerdem noch ein stark beleuchteter Leuchtturm als Rutsche und ein unsäglich hässliches Kinderkarussell. Die anderen Fahrgeschäfte wurden zum Glück in den unteren Bereich der Princes Street Gardens verbannt, da stechen sie nicht so ins Auge. Dort gibt es auch eine Eislauffläche. Zumindest soll es das wohl darstellen. Als ich einmal am Nachmittag vorbeigegangen bin liefen die Leute jedoch eher in 2 cm stehendem Wasser. Der zweite Teil des Marktes ist der schottische Weihnachtsmarkt. Der ist relativ klein. Die Hälfte der Buden verkauft Mützen in allen möglichen und unmöglichen (Teekessel) Formen. Die anderen bieten Essen oder Schmuck an. Bei einem Besuch dort kamen mir auch noch ein paar Engel entgegengeschwebt. Der dritte Teil schließlich ist der deutsche Weihnachtsmarkt. Der ist sogar ziemlich authentisch, da die gesamte Belegschaft mitsamt Buden anscheinend aus Deutschland eingeflogen wurde. Es gibt die obligatorischen Räucherhäuschen und Weihnachtspyramidenstände, Brezen, Leberkäse, Glühwein (mit Tassen vom Frankfurter Weihnachtsmarkt), Lammfellhausschuhe, Mitbewohner-mit-Migrationshintergrund-Küsse (wir wollen ja politisch korrekt bleiben) und was man eben sonst so auf einem kleineren Deutschen Weihnachtsmarkt findet. Und natürlich Stände (zwei oder drei, alle mit dem gleichen Angebot) mit Lebkuchen, Stollen und Schokolade. Die Marke, die sie anbieten kenne ich zwar nicht, sieht aber stark nach Aldi aus. Alles in allem ist der Weihnachtsmarkt ganz nett, aber einfach nicht weihnachtlich genug für meinen Geschmack.
Was hier zu Weihnachten nicht fehlen darf sind natürlich Weihnachtsessen. Wir hatten für unseren Studiengang letzte Woche eines organisiert. An sich nicht so spektakulär, aber es gibt etwas, das ich einfach nicht so ganz verstehe: Knallbonbons. Die lagen schon bereit auf unserem reservierten Tisch, ohne Knallbonbons ist es nämlich kein richtiges Weihnachtsessen. Man macht sie immer zu zweit auf, zieht also an einem Ende und jemand anderes am anderen, dann hofft man, dass es knallt (hat bei unseren Billigversionen nicht funktioniert). Drin sind dann immer eine bunte Papierkrone, ein Zettel mit einer Scherzfrage und ein kleines Geschenk. Da sitzen dann also den ganzen Abend alle mit dieser Papierkrone am Tisch, die natürlich viel zu groß ist, und machen sich damit zum Vollhorst. Die Beigaben in unseren Bonbons waren Plastikschnurrbärte, Plastikkäfer, Plastikfingernägel oder Plastikkämme. Sprich: Jedes Überraschungsei enthält mehr Spielfreude und weniger Müll. Vielleicht fehlt mir auch einfach irgendein Gen um den vollen Witz dahinter zu begreifen, aber man muss ja nicht alles verstehen.
Mehr Bilder gibt es wie immer in meiner Galerie, den Ungeduldigen würde ich empfehlen von hinten anzufangen, da dort die schöneren Bilder sind
Weihnachten in Edinburgh
2009
12.12
12.12
Ein toller Beitrag mit schönen Fotos. Es ist unheimlich interessant zu lesen, wie Du Weihnachten in Edinburgh erlebst.
Danke das Du an meiner Ation teilgenommen hast.
Gruß Stefan
Schön, dass das mit den Knallbonbons noch jemand nicht versteht. Ich dachte schon, das läge nur an mir.