Dieses Wochenende bin ich nach Braemar gefahren. Diesmal war ich aber nicht allein unterwegs, sondern mit einem Club der Uni (nicht meiner Uni, sondern der anderen hier, aber das spielt ja keine Rolle). Und zwar mit dem Club für schottischen Volkstanz. Ja, ich habe angefangen mich freiwillig und ziellos zu bewegen, man könnte es auch Sport nennen. Und das ganze vier Stunden pro Woche: Step, Ceilidh, Country und Social Dance! Letztere drei sind eigentlich das gleiche und die Kurse gehen auch fließend ineinander über: Dort werden die schottischen Gesellschaftstänze unterrichtet, die man zum Beispiel auf Hochzeiten und anderen Feiern tanzt. Ein “Ceilidh” ist eine Tanzveranstaltung und findet hier Anklang bei allen Altersklassen. Step ist mehr oder weniger das, was man auch im Deutschland davon kennt nur ohne die Metallplatten an den Schuhsohlen (das wiederum wäre nämlich tap dance). Am Anfang habe ich mich auch im Highland Dancing versucht, habe dann aber festgestellt, dass ich eindeutig zu viele Arme und Beine habe um sie gleichzeitig zu koordinieren. Die anderen Tanzstile kommen zum Glück ohne Arme aus.
Aber nun mal zum Wochenende:
Los ging es am Freitag Abend mit einem großen Bus voller Leute (eigentlich hieß das ganze Freshers’ Weekend, das war aber wohl nur Tarnung, da die Mehrzahl der Leute schon öfter dabei war… also eher eine Ausrede für ein Wochenende zum feiern). Unterwegs haben wir bei einem Fish & Chips Imbiss haltgemacht… hätten wir mal lieber nicht! Der Rest der Strecke glich nämlich einer Achterbahnfahrt im Stockdunkeln: Kurven, Hügel, Schlaglöcher, Pfützen,… am Ende war uns allen übel. In Braemar angekommen haben wir die dortige Jugendherberge in Beschlag genommen, die durch uns auch völlig ausgebucht war. Nach einer kurzen Erfrischungspause ging dann auch schon der Ceilidh los. Leider sind meine Fotos kaum etwas geworden dank verdreckter Linse, relativ dunklem Raum und zu schnellen Menschen. Bis Mitternacht wurde dann schottisch getanzt, danach auf Discomusik umgestiegen, weshalb ich mich dann relativ bald in mein Bett mit den tollen, herausstehenden Sprungfedern verkrümelt habe.
Am nächsten Morgen ging es dann gleich weiter: Frühstück – Tanzworkshop – Kuchenpause – Tanzworkshop – Lunch (traditionell aus trockenem, weichem Sandwich bestehend). Am Nachmittag wurde eine Art Schnitzeljagd durchgeführt, im strömenden Regen. Danach (inzwischen weniger strömender Regen) brach ich mit einer kleineren Gruppe noch auf um das Schloss von Braemar zu sehen. Dort war zwar schon geschlossen, aber in Großbritannien ist es ja auf Wanderwegen durchaus üblich mal ein Holzgatter im Weg zu haben, das wurde also ignoriert. Allerdings ist Braemar Castle relativ klein. Genau wie die Stadt eigentlich, durch die berühmten Highland Games, die dort jährlich abgehalten werden (mit Besuch der königlichen Familie), hatte ich mir das ganze wesentlich größer vorgestellt.
Am Abend gab es dann eine Kostümparty. Ich wurde deshalb tatsächlich von jemandem nach Eyeliner gefragt (und hatte sogar welchen dabei!) und gebeten ihn auch noch an demjenigen aufzutragen. Trotz aller Drohungen, dass ich ihm dabei mit Sicherheit die Augen ausstechen werde sah das Ergebnis am Ende ganz passabel aus. Und ja, ich finde das ist eine Leistung, wenn man nicht mal sich selbst öfter als dreimal im Jahr schminkt! Ich selbst bin als Pantoffeltierchen gegangen. Ganz einfallslos mit ein paar aufgemalten Zellbestandteilen an die Kleidung geheftet. Die Feier war wieder ein Ceilidh, wie schon am Abend zuvor mit ein paar Spielen zur Auflockerung zwischendurch. Ein beliebtes Partyspiel hier ist Chubby Bunny (Chubby = Pausbäckig). Gewonnen hat der, der “Chubby Bunny” mit den meisten Marshmallows im Mund noch deutlich aussprechen kann. Man kann sich denke ich vorstellen waurm ausgerechnet diese Worte… Werde das mal testen bevor ich mich öffentlich blamiere, aber ich vermute meine Chancen stehen da nicht so schlecht
. Der Samstag Abend wurde dann (nicht nur wegen der Zeitumstellung) etwas länger, am Ende blieben mir noch 3 Stunden Schlaf bevor die Organisatorin mit zwei Topfdeckeln in der Tür stand und uns schreckliche Dinge androhte für den Fall, dass wir nicht sofort Lebenszeichen von uns geben.
Die Rückfahrt verlief dann zwar auf der selben Straße wie die Hinfahrt, aber immerhin ohne fettige Pommes im Bauch und mit der Entschädigung durch den wunderbaren Ausblick auf die Highlands, und somit ging es der gesamten Besatzung danach nicht ganz so schlecht wie auf der Hinfahrt. Zu Hause angekommen habe ich dann erst einmal 12 Stunden geschlafen.
So und hier nun endlich das Video:
also ceilidh kenn ich auch – allerdings ein anderes als das was du meinst
aber ne tolle landschaft habt ihr da! muss man echt mal sagen.
Hmm, ich glaube ich muss auch nach Britannien auswandern
Wenn ich in Deutschland auf einen ceili* gehe bin ich meist bei den Jüngsten. Und classes** gibt es in Nürnberg nur zweimal im Monat.
* Die Iren waren früher wohl noch ärmer als die Schotten, da hat es nicht mehr für das “d” und das “h” gereicht.
** Zumindest für social dance. Step dance habe ich noch nicht probiert.
In Nürnberg gab es Ceilidh Classes? Ich hab mal nach Step geguckt aber nichts gefunden… gut, hab nicht so ausführlich geschaut… da wundert mich dann umso mehr, dass es Social Dance gibt ^^
Nachtrag zum Tanzen in Nürnberg:
Scottish Country Dance gibts im Kulturladen Gartenstadt — war ich aber noch nie, ist mir zu weit draußen.
Irischen Gesellschaftstanz (nicht in Reihen sonder in Quadraten
gibts im Loni Übler Haus (www.ceili.de) — da gehe ich regelmäßig hin
Irischen Steptanz gibts in Nürnberg von mehreren Leuten (www.ceili.de und http://www.steptanz-studio.de).
Größere Folkstanzveranstaltungen gibts (leider) meist nur in Erlangen beim http://www.erlanger-tanzhaus.de