Lebensmittel in den Medien

2009
07.14

Manchmal frage ich mich, was den Leuten so durch den Kopf geht. So zum Beispiel bei einem der aktuellen Lieblingsthemen der Medien, dem “Lebensmittelskandal”. Da wird angeprangert, unsere Lebensmittel wären minderwertig und die Kunden würden hinter das Licht geführt. Ich kann das Drama in dem Ausmaß nicht nachvollziehen.
Meinen ersten bewussten Kontakt mit “minderwertigen” Nahrungsmitteln hatte ich kurz nach dem Abitur, als ich mich mit wenig Geld auf große Interrailreise durch die britischen Inseln machte. Mein tägliches Frühstück bestand dort aus Schokokeksen. Diese gibt es dort in breit gefächertem Angebot, von billig bis teuer. Da ich Geld sparen wollte griff ich zu den billigsten, auf denen aufgedruckt stand: “with chocolate flavoured bits” (also eindeutig keine Schokostückchen, sondern Stückchen mit Schokogeschmack). Eigentlich recht deutlich, dass da keine echte Schokolade drin ist, und auch verständlich. Wer am Preis spart kann eben keine herausragende Qualität erwarten.
Das scheint jedoch ein Großteil der Verbraucher in Deutschland, sowie die Medien noch nicht begriffen zu haben. Dabei steht alles fein säuberlich, wie vorgeschrieben, in der Zutatenliste auf den Packungen. Man könnte jetzt böse behaupten die Deutschen stopfen einfach wahllos billiges Essen in sich hinein, ohne zu wissen, was sie gerade zu sich nehmen. Und die Zeitungsartikel der letzten Tage liefern die Gewissheit dazu. Natürlich ist nicht alles rechtens, was die Nahrungsmittelindustrie da so treibt. Aber schuld sind ja dennoch die Verbraucher, die nicht einen Blick auf die Zutatenliste werfen und auch Formulierungen auf den Packungen nicht überdenken. Dass beispielsweise das Vanillearoma in vielen Eiskreationen rein synthetisch ist dürfte längst bekannt sein. Nicht umsonst werben die Hersteller, die echte Vanille verwenden, extra damit. Auf der Packung des viel kritisierten Fol Epi (der zugegebenermaßen wohl nicht zu den Billiglebensmitteln gehört) steht so einiges, jedoch nicht, dass es sich um einen Käse handelt (zumindest nicht auf der Vorderseite, die Rückseite habe ich noch nicht überprüft, da mir nur die Bilder aus dem Internet vorliegen). Dem Hersteller kann also eigentlich keiner einen Vorwurf machen, da das Produkt eindeutig nicht falsch gekennzeichnet ist. Dass sich darüber aufgeregt wird, dass Surimi-Garnelen gar keine Garnelen sind ist mir dann erst recht ein Rätsel. Surimi wurde nämlich noch nie als Original verkauft, sondern ist weithin bekannt als Imitat. Hier steht sogar noch deutlich “Krebsfleischimitat”, und dennoch vermissen die Käufer echte Meeresfrüchte. Vielleicht sollten sie einfach mal einen Blick in den Duden werfen, um sich mit der Bedeutung des Wortes “Imitat” vertraut zu machen. Bei derartigen Meldungen warte ich ja schon direkt auf den großen Skandal: “In Tofu-Schnitzeln ist kein Fleisch enthalten!”
Auch die Aufschreie über den Formschinken sind schwer nachzuvollziehen, wenn man mal überlegt, was hinter so einem Schinken steckt. Im besten Fall nämlich ein Schwein. Im allerbesten Fall ein Schwein, das glücklich war. Das ganze hätten die Leute dann aber gerne zum Dumpingpreis. Zugegeben, viele haben nicht die Wahl ob sie viel oder wenig für ihre Lebensmittel aufwenden. Man könnte dann aber auch einfach den Konsum der “Luxusnahrungsmittel” herunterschrauben, zu qualitativ hochwertigeren Produkten greifen und dabei trotzdem nicht mehr ausgeben indem man einfach seine Ernährungsgewohnheiten umstellt (frische Kartoffeln statt Pommes, selbstgebackene Pfannkuchen statt Pancake Teigmischung, Gemüse statt Fleisch). Was in Deutschland nämlich schon lange vergessen ist: Fleisch ist Luxus. Hinter dem Fleisch an der Theke stecken Tiere, die aufgezogen, gefüttert, gepflegt werden müssen. Heute nicht mehr so aufwändig wie noch vor ein paar Jahrzehnten, aber dennoch ist hochwertiges Fleisch nicht zu Schleuderpreisen herzustellen. Was also tut die Lebensmittelindustrie? Sie beugt sich den Rufen der Verbraucher nach günstigeren Alternativen. Dass dabei die Qualität sinkt muss jedem nach kurzem Nachdenken einleuchten. Ein Tier ist kein Mikrochip, der mit der Zeit günstiger hergestellt werden kann. Ein Tier ist ein Lebewesen, das Futter und Nährstoffe braucht, heute genauso wie vor 100 Jahren. All diese Kosten müssen natürlich vom Endverbraucher getragen werden.
Die Verbraucher sind hier keine Opfer. Die Lebensmittelpreise sind in Deutschland im Vergleich mit anderen EU Ländern sehr günstig, das Angebot ist breit gefächert. Jeder hat die Wahl, ob bei ihm qualitativ hochwertige Lebensmittel auf den Tisch kommen, schnelle Lebensmittel oder hauptsache günstig ohne Verzicht. Denn Qualität hat ihren Preis.

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4 Responses to “Lebensmittel in den Medien”

  1. Andreas sagt:

    Full ACK. Kann den Rummel auch überhaupt nicht verstehen…

  2. Oliver sagt:

    ” Natürlich ist nicht alles rechtens, was die Nahrungsmittelindustrie da so treibt. Aber schuld sind ja dennoch die Verbraucher,….”
    Und natürlich klafft da eine Riesen-Argumentationslücke ;-)
    Macht nichts, ein Loch im Schuh ist schlimmer :-D

  3. Arctica sagt:

    Ich glaub ich hab das im Artikel ganz gut erklärt, wenn man sich die Mühe machen würde weiterzulesen und werde mich deshalb nicht nochmal drüber auslassen ;)

  4. Nadine sagt:

    Ja, find die ganze Sache auch sehr überzogen,.. Wo ist denn das Problem, mit dem Analogkäse unf Formschinken? Ich für meinen Teil, finde zB Formschinken auf der Pizza angenehmer als richtigen (hähä) und Analogkäse,.. sieht aus wie Käse, fühlt sich an wie Käse, schmeckt wie Käse,.. man kriegt damit die Pizza billiger,.. also so lange das Zeug nicht grob gesundheitsschädlich ist,.. wo ist das Problem?

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