Mal wieder übers Rauchen…

2009
06.30

Am Wochenende war ich als Ordnerdienst am Flohmarkt unterwegs. An der frischen Luft also, könnte man meinen. Von wegen! Als ich am ersten Abend nach Hause kam, hatte ich Halsweh, und das lag nur zum Teil an der sich anbahnenden Erkältung. Nein, es gab einfach keine Chance den Rauchfahnen der Leute zu entgehen! Raucher finden das ja immer furchtbar übertrieben, wenn man von ihnen verlangt, sich an die Rauchverbote an der “frischen Luft” (Bushaltestellen, Bahnhof, …) zu halten. Dass die Luft durch ihre Zigaretten keineswegs mehr frisch ist geht ihnen leider nicht ein. Die ETH Zürich hat zu diesem Thema (schon vor längerer Zeit) eine sehr interessante Studie gemacht: Demnach werden 19 000 m³ frische Luft benötigt um den Rauch einer Zigarette so weit zu verdünnen, dass er von Nichtrauchern nicht mehr wahrgenommen wird. Eine ganz schöne Menge finde ich doch, und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass wenn man nur in der Stadt umherspaziert, geschweige denn wenn man an der Bushaltestelle wartet, sich so viel Frischluft zwischen einem selbst und dem nächsten Raucher befindet. Bei diesem Ergebnis bleibt hoffentlich auch dem netten jungen Mann, der vor zwei Wochen am Bahnhof meinte “das merken Sie doch garnicht”, als ich mich beschwerte, dass er direkt neben mir im Nichtraucherbereich rauchte, der eigene Rauch in der Lunge stecken.

Wo wir schon beim nächsten Punkt wären. Es gibt ja gerade am Bahnhof die Raucherzonen. Um also unnötigen Streit zu vermeiden stelle ich mich immer gegen den Wind möglichst weit davon weg am Bahnsteig hin. Aber es hilft nichts!! Jedesmal tauchen wieder irgendwo neben mir Raucher auf. Wenn ich sie darauf hinweise, dass das stört bekomme ich höchstens dumme Kommentare. Was also soll man als Nichtraucher noch tun, als den Rauchern so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen, wenn sie einem auch noch hinterherdackeln? Wer der beiden Seiten sucht da die Konfrontation? Ich, so wie es immer dargestellt wird, die sich extra weit von den Raucherzonen wegstellt und dort einfach nur ihre Ruhe und frische Luft möchte? Mit Sicherheit nicht! Ich bin heilfroh, dass ich diesen ewigen Provokationen bald endgültig entgehen kann, denn in Großbritannien ist das Rauchverbot zum Glück weitestgehend akzeptiert. Dort lebt am Bahnhof keiner seine spätpubertäre Trotzphase aus, nur um es den “intoleranten” Nichtrauchern mal wieder gezeigt zu haben.

Eine weitere interessante Studie zum Passivrauch: Das Risiko an Krebs zu erkranken ist beim Rauchen mindestens 100 Mal höher als beim Einatmen von Asbeststaub in einer Konzentration von 1000 Fasern pro m³. Da frage ich mich: Wieso wird panisch aus allen alten Wohnungen Asbest entfernt, nur um dann Familien dort einziehen zu lassen, die ihre Kinder, Haustiere, Mitmenschen durch den Rauch schädigen? Warum werden nicht endlich mal die Raucher aus der Gesellschaft entfernt?

Erstaunlich eindeutig sind auch die Ergebnisse einer Untersuchung zu den Kosten, die Raucher einem Arbeitgeber bescheren: Demnach sind Raucher im Durchschnitt rund 30% häufiger krank als Arbeitnehmer, die nie geraucht haben. Dass andere Statistiken ein anderes Ergebnis zeigen liegt daran, dass dort nicht nach Rauchern, Ex-Rauchern und Nie-Rauchern unterschieden wird. So sind die Ex-Raucher im Schnitt sogar noch etwas häufiger krank als die Raucher. Dies könnte daran liegen, dass viele das Rauchen erst dann aufgeben, wenn bereits irreversible gesundheitliche Schäden auftreten.

Alle hier genannten Studien sind schon einige Jahre alt, ich wollte sie hier trotzdem einmal genannt haben. Zum Abschluss habe ich noch ein Zitat, das mich ernsthaft überlegen lässt, ob ich den Goethe Werken – nach dem Lektüren Desaster in der 8. Klasse – nicht doch noch einmal eine Chance geben sollte:

»Das Rauchen macht dumm, es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, für Menschen, die Langeweile haben. Die ein Drittel des Lebens verschlafen, ein Drittel mit Essen und Trinken und anderen notwendigen oder überflüssigen Dingen hindudeln, alsdann nicht wissen, obgleich sie immer ‘vita brevis’ (‘das Leben ist kurz’) sagen, was sie mit dem letzten Drittel anfangen sollen. Für solche faulen Türken ist der liebevolle Verkehr mit den Pfeifen und der behagliche Augenblick der Dampfwolke, die sie in die Luft blasen, eine geistvolle Unterhaltung, weil sie ihnen über die Stunden hinweghilft. [...] Und was kostet der Greuel! Schon jetzt gehen 25 Millionen Taler in Deutschland im Tabakrauch auf, die Summe kann auf 40, 50, 60 Millionen ansteigen. Und kein Hungriger wird gesättigt und kein Nackter bekleidet. Was könnte mit dem Gelde geschehen! Aber es liegt auch im Rauchen eine arge Unhöflichkeit, eine impertinente Ungeselligkeit. Die Raucher verpesten die Luft weit und breit und ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu rauchen vermag. Wer ist denn imstande, in das Zimmer eines Rauchers zu treten, ohne Übelkeit zu empfinden? Wer kann darin verweilen, ohne umzukommen?«

Johann Wolfgang von Goethe in einem Brief an Karl Ludwig von Knebel

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3 Responses to “Mal wieder übers Rauchen…”

  1. Domaris sagt:

    Das Zitat von Goethe ist sehr treffend. Schade, dass Goethe heutzutage kaum noch jemanden interessiert.

  2. Arctica sagt:

    Naja wie gesagt, ich hab selbst wenig Ahnung was der sonst noch so fabriziert hat *g* Aber mal schaun, jetzt ist immerhin die Sympathie da, vielleicht les ich ja irgendwann nochmal was davon.

  3. Maria sagt:

    Ja, das kenne ich mit dem Rauchen “an der firschen Luft”. Jedes Mal denke ich mir, dass es ja schon unverschämt ist, als zweites sich auf die Bank zu setzen an der Bushaltestelle und sich eine Zigarette anzumachen. Ich muss ja ganz ehrlich sagen, dass ich auch mal einige Jahre lang geraucht habe, aber soetwas habe ich nie gemacht. Goethe hat recht. Für das Rauchen geht sooo viel Zeit drauf…

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