Stöckchen: Gedanken zur Wohnung

2010
07.16

Anlässlich meines gestrigen Umzugs (aua, mir tut ALLES weh…) kam mir die Idee ein bisschen über meine bisherigen Wohnungen zu schreiben. Denn irgendwie hatte jede davon irgendetwas besonders schönes. Ich möchte das gleichzeitig als Stöckchen an meine bloggenden Leser weiterreichen, möge es sich nehmen wer möchte. Vielleicht hat ja irgendwer die absolute Traumwohnung, ohne jeden Mangel? Oder hat schon einmal in einem Loch gehaust, über das es wirklich garnichts Gutes zu sagen gibt? Ich würde mich freuen, auch von jemand anderem zu lesen =). So, nun aber zu mir:

Nr. 1: Das Zimmer zu Hause (Modell Sänfte): Mein Zimmer ist der schönste Raum im ganzen Haus. Deshalb war ich als Kind schon immer scharf darauf es mal zu übernehmen. Es ist ein sehr großes Zimmer unter dem Dach, mit einem ebenso großen Fenster zum Garten hinaus. Immer sonnig, meine Zimmerpflanzen sind trotz Dürre gewachsen wie die Weltmeister (vielleicht wollten sie mir auch nur entkommen?), Platz ohne Ende, vor allem viel Platz für Poster und sonstige Dekoration. Es ist ruhig, etwas abgelegen von den restlichen Zimmern im Haus, im Frühling gibt es ab 5:30 morgens Gratiskonzert von den Vögeln, im Sommer Donnerstagabend vom auf der anderen Straßenseite probenden Kirchenchor.

Nr. 2: Das erste Zimmer in Bayreuth (Modell Dreirad mit Schubstange): Als Untermiete bei einer alten Frau, zusammen mit zwei anderen Studenten. Mit den Mitbewohnern habe ich in der ganzen Zeit (über 1 Jahr) ungefähr dreimal ein “Hallo” gewechselt, da sie sich immer sofort in ihren Zimmern eingeschlossen haben. Küche gab es nicht, Bad und Kühlschrank mussten wir uns teilen, wurde freundlicherweise von unserer Vermieterin gereinigt. So wie auch gerne mal unsere Zimmer in den Ferien. Internet gab es nicht, Fernsehen nur mit meiner Zimmerantenne (Empfang von drei Programmen, es hat mich so weit getrieben Telenovelas zu gucken…). Das führte dazu, dass ich den ganzen Tag über an der Uni verbrachte, im Internet, war auch irgendwie eine nette Zeit. Am Wochenende fuhr ich zu dieser Zeit sowieso noch jede Woche nach Hause. Das tolle an der Wohnung war jedoch der Weg zur Uni: Nicht einmal 15 Minuten zu Fuß und fast vollständig auf einem Radweg durch den Park führend.

Nr. 3: Wohnheim in Bayreuth (Modell nagelneues Mountainbike mit Stützrädern): Endlich bekam ich dann einen Platz im Wohnheim. Ein nagelneues Wohnheim, umgeben von mehr Wohnheimen und direkt gegenüber vom Schwimmbad. Küche musste ich mir mit vier anderen teilen, aber es ging recht gesittet zu und war im ganzen Wohnheim eigentlich immer schön ruhig. Ich hatte mein eigenes Bad, und sogar einen Balkon, wo ich im Sommer meine Hängematte aufhing. Internetanschluss am schnellen Uninetz, Kabelfernsehen, begehbarer Kleiderschrank, Mensa und Campus waren in drei Minuten Fußweg zu erreichen. Der Nachteil an der Wohnung war die Hauptstraße gleich ums Eck. Dort brummten schon früh morgens die Lastwagen entlang, so dass an ein Schlafen mit offenem Fenster nicht zu denken war. Ich würde trotzdem sofort wieder dort einziehen.

Nr. 3: Eigene Wohnung in Nürnberg (Modell Kreuzung aus Motorrad und Isetta): Meine erste eigene Wohnung. Mitten in der Altstadt von Nürnberg im Dachgeschoss eines Altbaus. Es gab nur Nachtspeicherheizung, und auch die nur im Wohn/Schlafzimmer, der Gasherd war unbrauchbar, das Bad alt und versifft, die Holzdielen uneben und gesplittert, Fliesen löchrig und kaputt, Türschwellen nicht vorhanden. Und es war die schönste, gemütlichste Wohnung, die ich hätte haben können (und um die Hälfte billiger als hier ein WG Zimmer…). Sie war mit meinen Möbeln eingerichtet, hatte mein lang ersehntes Himmelbett, ich konnte aus der Tür fallen und stand praktisch in der Fußgängerzone. Im Winter war es (unter anderem durch meine ökologische Ader und den Geiz bedingt) saukalt, aber ich habe trotzdem nie bereut dort eingezogen zu sein. Wenn ich die Wohnung hätte mitnehmen können, dann hätte ich das getan.

Nr. 4: Die Erste in Edinburgh (Modell Tretroller): Übers Internet ungesehen angemietet, weil ich Angst hatte sonst auf der Straße zu sitzen (oder noch schlimmer: mit Rauchern in der Wohnung. Hatte ich dann leider trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch). Küche, Bad und Flur waren fensterlos, die Mitbewohner putzfaul, Lage in einer der schlechtesten Gegenden der Stadt am “falschen” Ende der Stadt (von Uni und Freunden her gesehen), keine Heizung, nur Elektroradiatoren, eine schlechte Matratze, klein,… gute Seiten waren wenige und hart zu finden, aber wenn man sich bemüht geht auch das: Freier Blick auf die Wiese des Hochhauses nebenan aus dem Fenster, und damit auch immer schönen Blick auf den Sonnenuntergang, Blick auf den Carlton Hill sobald man aus dem Haus kam, Recyclingcontainer direkt vor der Tür, ein vernünftig isoliertes Fenster, kleiner Supermarkt und Bushaltestelle nicht weit.

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